07 Okt 2016 2109
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#kultur

Die brasilianische Art des Musizierens

„Olha que coisa mais linda, mais cheia de graça..." Als Tom Jobim und Vinicius de Moraes die Worte dieses Liedes zum ersten Mal sangen, konnten sie sich nicht vorstellen, dass „Garota de Ipanema" ein derartiger Erfolg werden würde. Doch es konnte eigentlich gar nicht anders kommen... Die Brasilianer haben einfach ein ganz besonders Gespür dafür, Worte über Gefühle zu singen und dabei die ewige Liebe zu erklären.

Die brasilianische Musik ist von starken Einflüssen aus Portugal und Afrika geprägt. Im Laufe ihrer Entwicklung befand sie sich zudem in einem ständigen kulturellen Austausch mit anderen Ländern, wodurch auch die italienischen und französischen Opern, typische Tänze wie der Walzer, die deutsche Polka und die Habanera, die Zarzuela, der Bolero und der amerikanische Jazz ihren Weg nach Brasilien fanden.

Trotzdem besitzt dieses in „Sol da Liberdade" von Daniela Mercury als „brava gente brasileira, gente boa que se preze" bezeichnete tapfere und geschätzte brasilianische Volk eine besonders starke Bindung und Vorliebe für jene Arten von Musik, die von lokalen Künstlern produziert werden.

Deshalb möchten wir Sie auf eine faszinierende Reise durch die Welt der brasilianischen Musik einladen, die durch die großen Regionen des Südostens, Südens, Zentralwestens, Nordens und Nordostens des Landes führt. Dabei werden wir bei allen Stilrichtungen, musikalischen Rhythmen und großen Namen des Bossa Nova, des Choro, der brasilianischen Popmusik, des Samba, des Forró, des Axé, des Rock, des Sertanejo, des Rap, der Kinderlieder und der spirituellen Musik lohnenswerte Zwischenstopps einlegen.

Unsere Reise beginnt in Portugal mit dem portugiesischen Kulturbotschafter Roberto Leal, der mit seinem Hit „Bate o Pé" [Stampfe mit dem Fuß] für landesweite Begeisterung sorgte und „nossa gente" (die Portugiesen) als anmutiges, stilvolles und frohes Volk darstellte. Den ersten Stopp legen wir in der als „Terra da Garoa" bezeichneten Stadt São Paulo ein. Auf keinen Fall dürfen wir hier den „Trem das Onze" [11-Uhr-Zug] der Gruppe Demônios da Garoa verpassen. Auf dem Weg in die sogenannte „wunderbare Stadt" Rio de Janeiro werden wir von den besten Sambamusikern aller Zeiten begleitet: Cartola, Noel Rosa, Nelson Cavaquinho, Paulinho da Viola oder Mario Lago, der mit dem Hit „Muitas Saudades da Amélia" seine ewige Liebe erklärt, zusammen mit Pixinguinha, der mit seinem Choro „Carinhoso" zeigt, was das Wort „liebevoll" wirklich bedeutet. Vom jungen Künstler Gabriel, o Pensador [Gabriel, der Denker] gar nicht erst zu reden. Dieser Rapper schaffte es mit seinem Hit „Cachimbo da Paz" junge Menschen in Brasilien dazu anzuregen, sich über Politik und Gesellschaft Gedanken zu machen.

Weitere wichtige Vertreter der brasilianischen Musik, denen wir auf unserer Reise begegnen, sind die wundervollen Künstler des Bundesstaates Minas Gerais: Paula Fernandes, die in „Seio de Minas" ihre Herkunft „no celeiro da arte, no berço mineiro" [im Getreidespeicher der Kunst, in der Wiege von Minas Gerais] besingt, die sehnsuchtsvolle Clara Nunes, die mit ihrem Hit „Morena de Angola" ihre Fans bezauberte, oder auch Alexandre Pires, der in „Mineirinho" zeigt, wie er seine Liebste mit dem Geschmack von Käse mit Marmelade für sich gewinnen kann, indem er erklärt „Tem o sabor de queijo com docinho, meu benzinho você vai gostar." Natürlich muss an dieser Stelle auch eine der unglaublichsten Stimmen Brasiliens genannt werden, Milton Nascimento, der schon immer behauptete, „cantar é buscar o caminho que vai dar no sol" [Singen bedeutet, den Weg zu suchen, der zur Sonne führt].

Und da die Sonne bekanntlich für alle aufgeht, werden wir unseren nächsten Halt in Brasilia einlegen und der Legião Urbana zuhören, wie sie die Geschichte der beiden Jugendlichen „Eduardo e Mônica" besingt, die sich trotz ihrer verschiedenartigen Lebensstile ineinander verliebten.

Im Anschluss daran dürfen wir auf unserer musikalischen Reise in Richtung Süden auch auf keinen Fall Elis Regina vergessen, die in „Como nossos Pais" erklärte, „ainda somos os mesmos e vivemos como nossos pais" [Wir sind noch immer dieselben und leben wie unsere Eltern]. Diese Künstlerin hinterließ neben ihren Hits auch ein weiteres Vermächtnis in Form der wundervollen Stimme ihrer Tochter Maria Rita, die den Fußstapfen ihrer Mutter folgend ihre Fans mit wundervollen Publikumserfolgen wie „Encontros e Despedidas" überzeugt.

Wie der von Maria Rita besungene „trem da partida" [abfahrende Zug] folgen wir nun in Richtung Norden direkt in das Bumbódromo der Stadt Parintins im Bundesstaat Amazonas, wo die Folkloregruppen des rotfarbenen „Boi Garantido" [siegreichen Ochsen] und des blauen Boi Caprichoso [unbeständigen Ochsen] aufeinandertreffen, um im fröhlichen Karnevalstreiben ihre Geschichten zu erzählen, die von den Legenden, alten Ritualen und Traditionen dieses Volkes geprägt sind. Hier ist der Erfolgshit von Fafá de Belém „Vermelho" [Rot] nicht wegzudenken, in welchem die Künstlerin singt „a cor do meu batuque tem o toque, tem o som da minha voz" [Die Farbe meiner Trommel hat den Anschlag, den Ton meiner Stimme]. Ja, eine wirklich wunderbare Stimme! Wenn dieses Lied ertönt, bleibt keiner lange auf den Stühlen sitzen.

Unsere musikalische Reise führt weiter in den Nordosten, wo wir, wie der Komponist und Sänger Zé Ramalho mit den Worten „Povo marcado, Êh, povo feliz" erklärt, auf gezeichnete, aber glückliche Menschen treffen. Zu den bedeutendsten Künstlern der Region zählen Ivete Sangalo, Daniela Mercury, Maria Bethânia, Araketu, Caetano Veloso und Gilberto Gil. Auch wenn die Sehnsucht nach dem bereits hingeschiedenen Luiz Gonzaga und seinem Sohn Gonzaguinha sehr groß ist, wird das Lied „A Vida do Viajante", in welchem Gonzaga sang „Minha vida é andar por este país, pra ver se um dia descanso feliz" [Mein Leben ist, durch dieses Land zu ziehen und dafür zu sorgen, dass ich mich eines Tages glücklich zur Ruhe begeben kann], große Freudengefühle in uns erwecken. Auch Zé Ramalho, Alceu Valença, Geraldo Azevedo und Elba Ramalho haben aus dem „Grande Encontro" [Großen Treffen] einen unvergesslichen Moment gemacht. Danach folgt eine kurze Pause mit „Churrasco e bom chimarrão, fandango, trago e mulher" [Barbecue, Mate-Tee, Fandango, einem guten Tropfen und einer Frau], wie Gaúcho da Fronteira in seinem Hit „É Disso Que O Velho Gosta" [Das ist, was der Alte mag] zu singen pflegt, gefolgt von einem Tanz zur Sertaneja-Musik des Duos Chitãozinho & Xororó, oder zur Musik des traditionellen Forró pé-de-serra der Gruppe Falamansa, zu welcher die Brasilianer gekochten Mais und Popcorn essen und den heißen Rumpunsch Quentão trinken... Viva! Hoch lebe das Volksfest São João!!!

Wer den Zug verpasst hat, kann noch immer auf den „Trem da Alegria" [Zug der Heiterkeit] warten, eine Kinderband, die uns mit dem Hit „Piuí Abacaxi" zeigt, dass es sich lohnt, Kind zu sein und zu singen „Eu quero ter a sua companhia, vem viajar comigo no vagão" [Ich will deine Gesellschaft, komm und reise mit mir im Waggon]. Auf dem Sitz dahinter erwarten Sie die Künstler Toquinho und Vinicius de Moraes, die der „nuvem de tinta que caiu do papel" [Wolke aus Tinte, die aus dem Papier fiel] folgen, oder das Haus des Liedes „A Casa" besuchen, das kein Dach und auch sonst nichts hatte, wie der portugiesische Text „Não tinha teto, não tinha nada" bezeugt. Hier können Sie auch das Kinderlied „O quê que tem na sopa do neném" [Was ist in der Suppe des Babys] des Duos Palavra Cantada hören und in „Cativar" der Band Grupo Arte Nascente lernen, dass für sich zu gewinnen zu lieben bedeutet und etwas von dem Schmerz zu tragen, den jemand ertragen muss - „Cativar é amar. É também carregar. Um pouquinho da dor. Que alguém tem que levar" - sowie zu erkennen, dass wir für das, was wir für uns gewinnen, verantwortlich sind.

Unsere Reise durch die wundervolle große, weite Welt der brasilianischen Musik ist nun zu Ende. Um uns noch gebührend zu verabschieden, gibt es niemand Besseren als den wundervollen Almir Sater, der mit den Worten „Cada um de nós compõe a sua história - E cada ser em si carrega o dom de ser capaz - E ser feliz” erklärt, dass jeder von uns seine eigene Geschichte schreibt, und jedes Wesen die Gabe in sich trägt, etwas zu schaffen und glücklich zu sein.

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