24 Jul 2019 439
Sandra Nobre Short Stories
#erfahrungen #gastronomie #tipps

Lissabon mit neuem Anstrich

Aus Müll entsteht Kunst; Rezepte und das Wissen alter Handwerksmeister werden neu entdeckt; Klassiker des Kinos und der Literatur entstehen wieder auf. Über Türen und Schwellen, Treppen und Gassen: Lissabon erfindet sich an jeder Ecke neu.

Livraria da Travessa

„Schau nur, was für ein schönes Ding / So voller Anmut / (...) Von der Sonne Ipanemas gebräunt / Sein Hüftschwung schöner als ein Gedicht / Sie ist das Schönste, was ich je vorbeigehen sah ...". Und ebenso wie das Lied „The Girl from Ipanema" von Tom Jobim hat auch die vor 33 Jahren von Rui Campos in Rio de Janeiro gegründete Livraria da Travessa den Sprung über den Atlantik geschafft, wo sie dasselbe Ziel wie in ihrem Heimatland verfolgt: Leser und Bücher, Autoren und Ideen zusammenzubringen. In den Regalen stehen Eça de Queiroz, Miguel Torga, António Lobo Antunes und Machado de Assis neben Jorge Amado oder Chico Buarque. Dieses transatlantische literarische Abenteuer ist das erste seiner Art außerhalb Brasiliens. Es erstreckt sich über neun Räume und folgt dem Konzept einer lokalen Buchhandlung mit differenziertem Angebot und Kulturprogramm. Das Geschäft befindet sich im Erdgeschoss des symbolträchtigen Casa Pau-Brasil und ist eine Art Schaufenster brasilianischer Marken mitten im Herzen Lissabons, im Viertel Príncipe Real.

Rua da Escola Politécnica, 46, Lissabon
Tel. +351 213 460 553
Täglich geöffnet


Foto: Igor Barbosa

Ein Gespür für Farben (Tinta nos Nervos)

Einfach verrückt! So viele fantastische Bilder! Diese Buchhandlung gehört zu diesen unerwarteten und herausfordernden Orten, die uns an unsere Kindheit erinnern, als wir auch noch den letzten Funken Talent zum Zeichnen nutzten. Die im Stadtteil Madragoa a Santos gelegene Buchhandlung mit angeschlossener Galerie ist seit Juni geöffnet und widmet sich speziell den verschiedenen Formen des Zeichnens, egal ob Comics, Grafiken oder Illustrationen. Sie bietet außerdem ein gemütliches Café mit Terrasse im Innenbereich, die zum Verweilen zwischen Büchern und Katalogen einlädt. Die Galerie präsentiert Wanderausstellungen und lädt die Künstler dazu ein, eines ihrer Werke hier zu lassen. Es gibt außerdem Workshops und Kurse, die sich an die ganze Familie richten. 

Rua da Esperança, 39, Lissabon
Tel. +351 213 951 179
Sonntags und montags geschlossen


Foto: Tinta nos Nervos

Carpintarias de São Lázaro

Wie der Phönix aus der Asche wurden Anfang des Jahres die alten, am Platz Martim Moniz gelegenen Schreinerwerkstätten von São Lázaro neu eröffnet, die bei einem Feuer Ende der 90er Jahre zerstört wurden. In den Fabrikräumen befindet sich heute ein aufstrebendes Kulturzentrum mit rund 1800 Quadratmetern Fläche auf drei Stockwerken (mit sieben Metern Raumhöhe), unterteilt in einen Ausstellungsbereich und ein Auditorium mit Platz für 120 Personen. Eine moderne, weiße Wendeltreppe unterbricht die von Beton dominierte Architektur und schafft Raum für die ausgestellten Werke. Von einem großen Fenster aus hat man einen hervorragenden Blick auf den Hügel von Senhora do Monte, das Viertel Graça und die Burg São Jorge. Mit einem vielseitigen Programm, das von bildender Kunst, Musik, Theater, Kino, Tanz, Mode und Gastronomie bis hin zu Mode reicht, wendet sich das Zentrum an eine multikulturelle Gesellschaft, deren Teil es ist; bietet aber auch Raum für andere künstlerische Ausdrucksformen. Lesen Sie das Programm. 

Rua de São Lázaro, 72, Lissabon
Tel. +351 213 815 891
www.carpintariasdesaolazaro.org


Foto: Vasco Vilhena

Manufactum by FRESS

Wie oft haben Sie schon von diesem Museumsstück geträumt, das sich so gut in Ihrem Wohnzimmer machen würde? Bei Manufactum werden die in den Werkstätten der Stiftung Fundação Ricardo do Espírito Santo Silva (FRESS) hergestellten Stücke Seite an Seite mit zeitgenössischen Werken ausgestellt, von wo aus Sie zu den Kunden nach Hause geliefert werden können. Das Anfang Juli eröffnete Geschäft möchten die seit 1953 von verschiedenen Künstlern in dieser Einrichtung geschaffenen Werke einem breiten Publikum zugänglich machen: Egal ob es sich um erhaltene oder restaurierte Stücke oder um Möbeln und Dekoartikel handelt. In den Werkstätten der Stiftung, die sich im gleichen Gebäude wie das Museum für Dekorative Kunst, das Museu de Artes Decorativas, im Palácio Azurara, im Viertel Portas do Sol befindet, kann man sich in verschiedenen Kunsthandwerken ausbilden lassen, zum Beispiel zum Schreiner, Steinmetz, Blechner, Buchbinder oder Dekorateur. Heute verbindet sich hier Qualitätshandwerk mit den Visionen zeitgenössischer Designer. Das Ergebnis sind limitierten Editionen mit Stücken mit der Signatur von Filipe Alarcão, Marco Sousa Santos, Sam Baron oder Marre Moerel. Aber die fantastischen Kollektionen erfreuen nicht nur das Auge, denn man kann auch kleine Stücke kaufen, z. B. Büroartikel, Accessoires oder Modeschmuck.

Rua do Alecrim, 76, Chiado, Lissabon
Tel. +351 213 471 887
Sonntags geschlossen

D’Olival Casa

Im Haus Nummer 81, in der Rua Poiais de São Bento befindet sich das auf Olivenöl spezialisierte Geschäft von Helena und Lino, das seit Ende letzten Jahres auch Heimartikel anbietet. Das Geschäft, in dem sich früher eine Fischhandlung befand, ist ganz mit Marmor verkleidet – Boden, Wände und Tresen –, die heute mit Produkten des portugiesischen Kunsthandwerks verziert sind. Unter den vielen Accessoires finden sich Keramiken und Wandteppiche, Vasen und Holzschnitzereien mit diesem authentischen Design, das den Flair des Landes in die Stadt bringt. Das Geschäft befindet sich direkt an der Straßenbahnhaltestelle 28, Richtung Martim Moniz/Graça – Prazeres, und bietet eine gute Ausrede für einen Ausflug und um durch die Fenster die Touristen zu beobachten.

Rua Poiais de São Bento, 127, Lissabon
Tel. +351 963 374 811
Sonntags geschlossen
www.dolival.pt


Foto: Matilde Almeida Cunha

Iberischer Luchs von Bordalo II und Centro Realidade Virtual

Vor dem Bahnhof Gare do Oriente stoßen Passanten auf einen riesigen Iberischen Luchs, eine der weltweit am stärksten bedrohten Wildkatzen. Das Werk des Streetart-Künstlers Bordalo II wurde Ende Juni zum Abschluss der Konferenz Lisboa +21 vom Generalsekretär der Vereinten Nationen, António Guterres, eingeweiht. Es wurde aus Abfall gefertigt und steht paradigmatisch für die Folgen der Globalisierung. Der Autor, Artur Bordalo, bekannt unter dem Namen Bordalo II, wurde durch seine aus Abfall geschaffenen Skulpturen bekannt. Seine erste eigene Ausstellung „Attero" fand 2017 in Marvila statt, wo er auch sein Atelier hat, und wurde in weniger als einem Monat von circa 27.000 Personen besucht. Seine Werke sind in Privatsammlungen in Frankreich, den USA und Japan zu finden. Der Künstler selbst war vor allem außerhalb Portugals tätig, wo er zur ephemeren, also der vergänglichen Kunst zählende Streetart-Werke schuf.
Und wenn Sie schon eine Reise in den Osten der Stadt machen, warum fahren Sie dann nicht einfach ein bisschen weiter? Steigen Sie auf den Mount Everest, flanieren Sie auf der Seventh Avenue in New York oder gehen Sie in einen Keller, aus dem Sie innerhalb einer Stunde entkommen müssen, bevor eine Bombe explodiert ... Aber immer mit der Ruhe! Es ist alles nur virtuell. Die Szenarien, die escape rooms und die Multiplayer-Spiele, die Verstand, Scharfsinn und Geschwindigkeit erfordern, sind Attraktionen des Virtual Reality Centre. Das Centre mag vielleicht keine Neuheit mehr sein, aber da sich nie jemand daran erinnert, kommt es einem immer wieder so vor ... Es gibt Angebote für die ganze Familie, für Einzelpersonen oder für Gruppen.

Suchen Sie die Statue im Jardim do Parque das Nações;
Rua do Mar Vermelho, Loja 2C, Parque das Nações, Lissabon
Tel. +351 928 093 343
Täglich, nach Vereinbarung


"Lince Ibérico" por Bordalo II
Lissabon, 2019
Foto: Miguel Portelinha

Terra Pão

Gibt es etwas Besseres im Leben als den schlichten Genuss eines warmen Brotes mit Butter? Besonders wenn das Brot aus dem besten Korn und mit Naturhefe zubereitet wurde und mit genügend Zeit aufgegangen ist? Der Geschmack ist anders, saurer, aber es dauert nicht lange, bis man sich daran gewöhnt hat und richtig süchtig danach wird. Und wenn man dann noch das warme Brot mit Butter bestreicht und direkt am Tresen isst ...  Terra Pão ist die jüngste Bäckerei in Lissabon, in der Brot noch auf traditionelle Weise hergestellt wird und die Teil eines Trends ist, der immer mehr Geschäfte erreicht und immer mehr Fans findet. Probieren lohnt sich: Brot aus weißem oder dunklem Weizen, aus Roggen oder Bio-Dinkel und natürlich aus dem vollen Korn. Es gibt aber auch gute französische Baguettes oder Ciabatta. In diesem anspruchsvollen Geschäft werden zur Mittagszeit Speisen an den langen Tischen und auf der Terrasse serviert und tagsüber zahlreiche kleine Häppchen angeboten, um den Gaumen zu verwöhnen.

Mercado de Arroios
Rua Ângela Pinto, 40D, Lissabon
Tel. +351 910 494 446
Montags und dienstags geschlossen

Genuíno – Atelier do Presunto

Wie wäre es mit einem Brot mit Schinken? Sie müssen nur bis zum  Campo de Ourique fahren. Das Genuíno ist eines der neusten Geschäfte, das hochwertigen Schinken unterschiedlicher Sorten und Herkunft anbietet: aus Portugal, Spanien, Frankreich und Italien. Die Idee ist es, die verschiedenen Geschmacksrichtungen und Texturen zu probieren und zu genießen. Diese an der Farbe und am Geruch zu erkennen, ist jedoch eher den Fachleuten auf diesem Gebiet vorbehalten. Zusammen mit anderen Produkten schmeckt es aber noch besser: Die Kombinationen mit jungen Weinen, Sekt oder Cava und einem Brot mit Olivenöl oder Tomaten begeistern einfach jeden Foodie.

Rua Silva Carvalho 52 C, Lissabon
Montag - Freitag: 12 bis 21 Uhr
Samstags: 10 Uhr bis 14 Uhr
Sonntags geschlossen


Foto: Paulo Castanheira

O Pai Tirano

Wie sagt man doch: „Der gute Sohn kehrt nach Hause zurück." Und der Vater auch. In diesem Fall ist er nach Bica zurückkehrt, an den Schauplatz des Films von António Lopes Ribeiros aus dem Jahr 1941, an diesen Ort am oberen Ende einer Treppe, auf dem Weg zum Adamastor. Die Bar, die früher ein fester Bestandteil des Nachtlebens in Lissabon war, wurde im Juni dieses Jahres nach zweijähriger Pause unter neuer Leitung neu eröffnet und bietet nun wieder dasselbe Rezept: Musik, Toasts und viel Unterhaltung. 

Travessa das Laranjeiras, 35, Lissabon
Tel. +351 211 234 567
Montags und dienstags geschlossen

Monkey Mash

Es war einmal ein roter Frosch (Red Frog), der so berühmt wurde, dass er sogar als eine der besten Bars der Welt galt, und, wie bei der Arche Noah, haben sich auch andere Tierchen dem Abenteuer angeschlossen. Seit März steht ein Affe im Rampenlicht: das Monkey Mash. Die in der Nähe des Speakeasy gelegene Bar hat sich an fernen Orten wie Süd- und Mittelamerika, Asien und Afrika inspiriert. Die Karte bietet eine Kombination exotischer Getränke und Früchte in einer unterhaltsamen und entspannten Atmosphäre, eine wahre Oase in der Stadt, mit Urlaubsstimmung. Neues, Neues, an diesen Orten, denen der Sommer neuen Glanz verliehen hat ... 

Praça da Alegria, 66A, Lissabon
Tel. +351 211 364 241
Täglich, ab 18 Uhr


Foto: Jorge Simão
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