01 Aug 2019 516
Sandra Nobre Short Stories
#erfahrungen #tipps

Porto: Geschichte der Brücken

Der Fluss ist das Herz der unbesiegbaren Stadt („Cidade Invicta"). Von hier legen die Schiffe ab. Von hier sieht man die Weinkeller in Gaia. Von hier setzt der Douro seinen Weg durch das Tal fort, das den Wein berühmt machte, oder fließt weiter in Richtung der Mündung, an der er auf das Meer trifft. Über dem Fluss sieht man die Brücken, die die Ufer verbinden. Es sind insgesamt sechs, jede einzelne mit ihrer eigenen Geschichte. Sollen wir sie überqueren?

Brücke Ponte D. Luís I

Sie lässt keinen unberührt. Sie ist die am häufigsten fotografierte Brücke über den Douro, laut einer rein augenscheinlichen Statistik. Die so robuste Brücke, die den größten Brückenbogen aus Schmiedeeisen der Welt mit einer Länge von 395 m hat, besitzt eine Schönheit mit vielen Details und mit verbundenen Aussparungen, die aus der Nähe betrachtet fast filigran erscheinen. Werk des belgischen Unternehmens Société de Willebroeck, das den Ingenieur Théophile Seyrig, Schüler von Gustave Eiffel, beauftragte, wurde sie im Jahr 1886 nach fünfjährigen Bauarbeiten eröffnet. Zuerst war nur die untere Fahrbahnebene in Betrieb, aber zwei Jahre später fuhren Fahrzeuge auch auf der oberen Ebene, bis in 2003, nach Instandsetzungsarbeiten, die Autos Platz für die Metro machen mussten.
Viele Jahre vorher gab es eine andere Brücke, die zur Umgebung der „Cidade Invicta" gehörte, die Hängebrücke Ponte Pênsil, die auch als Brücke D. Maria II bezeichnet wird, und die erste Metallbrücke im nationalen Gebiet war. Eröffnet in 1842, wurde ihr Abriss im Jahr 1887 veranlasst, um dieser Brücke Platz zu machen, die jeden, der sie zum ersten Mal erblickt, einfach überwältigt. Die nächtliche Beleuchtung der Brücke Ponte D. Luís I, mit einem gelb scheinenden Licht, verleiht ihr einen dramatischen, filmischen und romantischen Ausdruck. Sie ist zwar nicht die Brooklyn Bridge, aber auf ihren Ebenen wird ebenfalls geküsst und finden Liebesversprechen statt.

Brücke Ponte Infante D. Henrique

Flussaufwärts entstand im Jahr 2003 die Brücke, die den Namen vom Infanten, Heinrich dem Seefahrer, erhielt, der in Porto geboren wurde und neue Welten im Zeitalter der Entdeckungen erkundete. Ausgeklügelte Linien aufweisend, beträgt ihre Stützweite des Bogens 280 Meter und damit stellte sie einen neuen Rekord für diese Konstruktionsart auf. Sie diente als Modell für viele andere Brücken, die auf der ganzen Welt gebaut wurden. Mit 20 Metern Breite und vier Fahrbahnen, zwei in jeder Richtung, nimmt sie die Fahrzeuge der oberen Ebene der Nachbarbrücke Ponte D. Luís I auf, seitdem diese der Metro vorbehalten ist. 
Sie ist eine Verbindungsstrecke zwischen Fontainhas und der Serra do Pilar, in dem das gleichnamige Kloster liegt, sinnbildlich auf dem Gebiet der klassischen europäischen Architektur wegen der Kirche und dem runden Kreuzgang. Es war das Haus des Augustinerordens, zu dem nur Männer gehörten, und nach der Aufgabe der religiösen Orden übernahm es seine militärische Funktion. Aufgrund seiner wesentlichen geo-militärischen Rolle war es an entscheidenden Momenten der Geschichte beteiligt, wie zum Beispiel bei den französischen Invasionen, der Belagerung von Porto oder der Revolte der Maria da Fonte. Es wurde als Nationaldenkmal klassifiziert und ist auf der Liste des Weltkulturerbes der Menschheit der UNESCO aufgeführt. Es ist ein bevorzugter Aussichtspunkt auf die Anlegestelle von Gaia, auf Porto und auf ihre Brücken.

Brücke Ponte D. Maria Pia

Paris hat den Eiffel-Turm und Porto hat die Brücke Ponte D. Maria Pia, die ebenfalls vom berühmten französischen Ingenieur entworfen wurde. Über dieses Bauwerk sagte Gustave Eiffel (1832-1923), dass sie „an der Grenze der klassischen Möglichkeiten der Metallkonstruktion" errichtet wurde. Das Bauwerk, das sie umgibt, wurde zu einem Vorbild und es wurden für diese Zeit revolutionäre Verfahren eingesetzt. 
Sie hatte als Aufgabe, die Eisenbahnverbindung zwischen Vila Nova de Gaia und Porto herzustellen, und diese erfüllte sie über 114 Jahre. Obwohl sie am 4. November 1877 vom königlichen Ehepaar, König D. Luís I und Königin Maria Pia, die der Brücke ihren Namen verlieh, eingeweiht wurde, wurde sie bereits vorher von der Frau des portugiesischen Ingenieurs Pedro Inácio Lopes, der für die Arbeiten verantwortlich war, überquert, sobald die Metallbögen verbunden wurden, um die Fahrebene zu komplettieren. Adelaide Lopes sorgte somit dafür, dass ihr Name in die Geschichtsbücher eingetragen wurde [Caminhos de Ferro Portugueses – Esboço da História (1956)], obwohl diese groteske Begebenheit fast nicht erwähnt wird, war diese Handlung sowohl sehr mutig als auch verrückt.
Der Zugverkehr wurde 1991 eingestellt, wodurch sie ihre Hauptfunktion an die Brücke Ponte D. João übergab. Aber am höchsten Punkt ihrer 61 Meter über der Wasserlinie trägt sie den Titel Nationaldenkmal.

Foto: António Amen

Brücke Ponte de S. João

Mit einer eingleisigen Strecke und Begrenzungen der Last und Geschwindigkeit, wurde die Ponte Maria Pia durch die modernere Ponte de São João (Brücke des Heiligen Johannes des Täufers) ersetzt. Diese wurde am 24. Juni 1991 eröffnet, an dem auch der Tag des Schutzpatrons São João der Stadt gefeiert wird. Aus bewehrtem Beton, mit minimalistischen Linien, weiß gestrichen, hat sie im Gegensatz zu allen anderen Brücken bis zum heutigen Tag keinen Brückenbogen, sondern ist als ein Durchlaufträger ausgebildet, gestützt von zwei majestätischen Säulen, die im Flussbett aufliegen. Sie stellt die Verbindung zwischen dem Bahnhof Porto-Campanhã und den Urlaubsorten im Süden mit dem ersten Halt in Vila Nova de Gaia dar.

Foto: Liam Geoghegan

Brücke Ponte da Arrábida

Sie trägt die Autobahn des Nordens, A1, die Porto mit Lissabon verbindet, und vervollständigt die Verbindung zwischen Campo Alegre, in Porto, und Arrábida, in Gaia. Entworfen im Mündungsgebiet als alternativer Übergang angesichts von Straßenverkehrsstaus auf der Ponte D. Luís I, war sie die erste große Brücke über den Douro, die von nationalen Technikern und Unternehmen unter der Verantwortung des Ingenieurs Edgar Cardoso (1913-2000), der auch für die Ponte de São João und, unter anderen Bauwerken, für die Erweiterung der Straße des Flughafens von Madeira verantwortlich war, erbaut wurde. Bei den Säulen, die aus dem zentralen Bereich der Fahrbahnebene stamme und als Aufzüge funktionieren, zeigen sich vier Bronzeskulpturen mit moderner Ästhetik der Bildhauer Barata Feyo und Gustavo Bastos.
Ihr Bogen aus bewehrtem Beton war zum Zeitpunkt des Baus in 1963 der größte der jemals in Brücken auf der Welt errichtet wurde. Und seit 2016 ist es für die kühnsten Personen möglich, die 262 Stufen bis zur höchsten Stelle dieses Nationaldenkmals, 65 Meter über dem Flussbett, hochzusteigen. Von hier kann man Folgendes erblicken: am nördlichen Ufer das ehemalige Zollgebäude aus dem 19. Jahrhundert, an dem der Strand von Miragaia war, und das heute ein wichtiges Kongresszentrum ist; zudem das Museu do Vinho do Porto (Museum des Portweins) in einem Gebäude aus dem 18. Jahrhundert, das als Weinlager diente; die Kirche Igreja de Massarelos mit ihrem Wandbild aus blauen Kacheln mit den Figuren von Heinrich des Seefahrers und São Telmo, der Schutzpatron der Seefahrer; und das Gebäude des STCP- Museu do Carro Eléctrico (Straßenbahnmuseum), das die Geschichte des ikonischen urbanen Transportmittels der Stadt bewahrt. Und an dieser Brücke fließt der Douro im Mündungsgebiet ins Meer. Am südlichen Ufer befindet sich das malerische Fischerdorf São Pedro da Afurada, eines der typischsten Fischerdörfer, in dem sich die Bevölkerung noch dem Bau und der Sanierung der Schiffsflotte widmet.

Foto: António Amen

Brücke Ponte do Freixo

Am Rand Stadt befindet sich die neueste aller Brücken über den Douro, eröffnet im Jahr 1995, um das Problem von Verkehrsstaus zu beheben. Sie vervollständigt die Verbindung zur Straße des Innenrings und ermöglicht eine neue Verbindung in Richtung Süden. Ein- und Ausgangsbrücke in die Stadt mit vier Fahrbahnen in beiden Richtungen, über die durchschnittlich 100 000 Autos pro Tag fahren. Tatsächlich handelt es sich um zwei Brücken, die nur zehn Zentimeter im Laufe ihrer 750 Meter Länge voneinander getrennt sind.

Es gibt unzählige Möglichkeiten, um die zahlreichen Brücken zu überqueren - mit dem Auto, dem Zug, der Metro, dem Fahrrad, zu Fuß und man kann bei einer sogar zwischen den Säulen hochsteigen - aber der wahrscheinlich angenehmste Ausflug erfolgt mit dem Boot, von Ribeira oder von der Anlegestelle von Gaia, wobei man die Brücken in ihrer Einzigartigkeit betrachten kann, während weitere Wege geplant werden können, um die Städte an den beiden Ufern kennenzulernen, wie die Sängerin Sophia de Mello Breyner Andresen (Livro Sexto, 2014), die berühmteste Dichterin, Tochter der Stadt, singt:
„Ein Boot nach dem anderen fährt zum Meer hinaus
sie fahren an den Vorgebirgen und Terrassen vorbei
schneiden die glatten Gewässer wie einen Boden
und alle Götter werden erneut ernannt
jenseits der Ruinen ihrer Tempel”

Von Porto aus gesehen, werden die Weinkeller auf den Schildern angekündigt: Calem, Kopke, Quinta do Noval, Sandeman, Gran Cruz, Taylor’s, Dow’s, Offley ... Von Gaia aus sieht man, unter anderem, die farbige Häuserzeile mit ursprünglichem Grundriss, die Türme der Kirchen und das historische Zentrum - Weltkulturerbe der Menschheit. Und den Douro, an dem die Rabelos, die früher den Transport der Portweinfässer bis zu den Weinkellern ausführten, ihren Glanz, eitel, für die Touristen versprühen, zwischen den touristischen Booten, auf den Geschichten der zweitwichtigsten Stadt des Landes erzählt werden, die weiterhin als eines der besten europäischen Reiseziele angesehen wird.

Foto: Liam Geoghegan
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